Autor Thema: Live aus Temesvar - Fünf Tage mit Hilfe für Kinder im Dezember 2011 unterwegs  (Gelesen 13720 mal)

Petra

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Auch in diesem Jahr bin ich Ende November mit Lufthansa über München nach Temesvar geflogen.

Es ist aber kein Erholungsurlaub, denn ich möchte Spenden verteilen, zusammen mit Mechtild Gollnick von dem Verein Hilfe für Kinder.

Während ich gut in Temesvar engekommen bin, schaffte es mein Koffer nicht, pünktlich da zu sein. Egal, alles wichtige hatte ich ja im Handgepäck verstaut, sogar der Pass meiner Enkeltochter war dabei.  :question

Gleich nachdem ich die Formalitäten am Flughafen erledigt hatte, fuhren wir zum Haus und ich begrüßte den neuen Mitbewohner Topi. Schnell eine leckere Kleinigkeit gegessen und dann luden wir auch schon unseren Wagen voll und machten uns auf den Weg nach Bencecu de Jos.

Petra

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Bencecu de Jos liegt ca. 30 Kilometer von Temesvar entfernt. Im letzten Jahr waren wir zum ersten Mal dort und haben von der bitteren Armut erfahren, die dort vorherrscht.

Mit Unterstützung von Hilfe für Kinder wurde dreimal wöchentlich eine Betreuung für die Kinder eingerichtet, die ehrenamtlich von Studenten und einem Pfarrer organisiert werden.

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Hier werden die Kinder abwechselnd von 4 Studentinnen bei den Schularbeiten betreut. Sie haben einen beheizten, trockenen Raum, bekommen zu essen und machen Spiele.

Hilfe für Kinder unterstützt mit Benzingeld für die Studenten, Schulmaterial, die Verpflegung und anderes. 23 Kinder bekommen jetzt zum Winter warme Schuhe.

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Wir werden in den nächsten Tagen noch einmal ins Dorf kommen und einige arme Familien besuchen. Am Wochenende gibt es aber keine Betreuung der Kinder und daher war es für mich wichtig, gleich nach Ankunft dorthin zu fahren, wenn ich die Kinder sehen wollte.
Man merkte, dass die Kinder sich hier wohl fühlen und sie gerne hierher kommen.

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Am nächsten Morgen wurden wir vom Schnee überrascht. Es ist hier - für mein Befinden - relativ kalt (-2 bis-3°C) und der Wind bläst eisig.
Wir fuhren nach Teremia Mica. Es war eine schlechte Fahrt, denn es war stellenweise sehr glatt. Da heute aber ein Feiertag war, gab es kaum Verkehr. Teremia Mica liegt ca. 75 Kilometer von Temesvar entfernt, in der Nähe der Grenze zu Serbien.

Unser Ansprechpartner in dem entlegenen Dorf ist der orthodoxe Pfarrer Coca. (Ich habe schon 2009 und auch 2010 darüber berichtet)

Am Dienstag wird ein Tagesheim für die Kinder vom Dorf eröffnet. Auch hier werden dann in Kürze Kinder aus dem Dorf ehrenamtlich von den Lehrern aus Termia Mica und Teremia Mare jeden Tag nach der Schule betreut. Sie bekommen Lernhilfen, Hilfe bei den Hausaufgaben und haben somit später eine größere Chance, im Leben zurecht zu kommen.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Spender für 100 Familien, die ein Weihnachtspaket bekommen.

Bei Pfarrer Coca bekomme ich immer den schwärzesten Kaffee meines Lebens. Dieses Mal gibt es jedoch noch leckeres selbstgemachtes Konfekt von einer Frau aus Temesvar.

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Für den Um- und Ausbau zum Tagesheim wurde viel gespendet. Wir haben schon einiges für die Eröffnungsfeier da gelassen. Leider bin ich am Dienstag nicht mehr da. Ich war auch herzlich eingeladen.

Wir erfahren von einer Frau, die sehr krank ist und sich keine Medikamente mehr kaufen kann. Hier geben wir der Nachbarin gegen Quittung etwas Geld, damit sie die Medikamente kaufen kann.

Dann besuchen wir noch eine arme Familie im Dorf und geben eine Lebensmitteltüte ab. Die Mutter ist gerade von einer schweren Herzoperation nach Hause gekommen. Aber ich lebe noch, so sagt sie...

Sie erzählt uns, dass sie noch dringend eine Untersuchung haben muss, die sie aber nicht bezahlen kann.

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Nun werfen wir noch kurz einen Blick in die Kirche von Pfarrer Coca, die aber gerade renoviert wird, da die Decke runtergekommen ist. Die Mitglieder der Gemeinde haben dafür gesorgt, dass die Schäden behoben wurden.

Hier noch ein paar Bilder aus dem Dorf. Kann man sich vorstellen, dass in diesem Haus (Bild 2) eine Familie wohnt?
Auf dem letzten Bild ist die katholische Kirche zu sehen, nicht die vom Pfarrer Coca.

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Wir haben noch eine Lebensmitteltüte im Auto und fragen nach einer bedürftigen Familie.
Auch wenn die Kinder eine Fröhlichkeit ausstrahlen, dass einem das Herz aufgeht, die Familie lebt in größter Armut und eines der Kinder ist behindert.

(Meine Kamera macht die gravierenden Temperaturunterschiede nicht immer mit und streikt. Das Objektiv beschlägt natürlich sofort wie auch unsere Brillen, wenn wir in die überheizten Wohnungen kommen. Denn es wird mit Holz geheizt und das kann natürlich nicht reguliert werden.)

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Auf dem Tisch dieser Familie steht ein Teller mit Bratkartoffeln, das ist das Mittagessen für eine 6-köpfige Familie.

Wir lassen unsere Lebensmittel da und fahren zurück nach Temesvar. Pfarrer Coca nehmen wir auf einem Wege mit. So erfahren wir noch viel über die vielen Probleme im Dorf.

Zum Schluss bekomme ich noch einen Kalender geschenkt.

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Nachdem wir Pfarrer Coca in der Nähe der Universität abgesetzt haben, fahren wir schnell nach Hause und essen einen Kleinigkeit mit Kati und Evi zusammen, die auch im Hause wohnen.
Es gibt eine sehr schmackhafte Gemüsesuppe und anschließend überrascht Kati uns mit selbstgemachten Pfannkuchen nach ungarischer Art.

Einmal hauchdünn mit Aprikosenmarmelade gefüllt, eine andere Art mit einer Quark-Rosinen-Füllung und geschmolzener Marmelade obendrauf.

Danach packen wir wieder den Wagen voll und fahren weiter.

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Nun fahren wir zu einer Familie mit vielen Kindern, die in einem Raum in einem baufälligen Hause hausen.
Ein Raum ist unbewohnbar, da die Decke einzustürzen droht. In dem anderen Raum, wo nun die gesamte Familie lebt, ist noch nicht einmal Licht, so dass wir im Dunklen stehen. Der Ofen bullert heiß, viel zu heiß und ich versuche einige Fotos zu schießen.

Auf dem Bild 4 ist der "bewohnbare" Raum zu sehen.

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Es gibt natürlich kein fließendes Wasser. Für diese "Bruchbude" muss auch noch 100 Euro (umgerechnet) Miete gezahlt werden.

Wir wollen diese Familie unterstützen, dass sie eine andere Bleibe bekommen.

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So fahren wir mit den Eltern in ein Dorf (Cerneteaz) vor den Toren Temesvar. Dort können sie für wenig Geld eine Bleibe bekommen, die wir ihnen bezahlen. Diese wollen wir uns ansehen.

Die Schwester des Familienvaters wohnt auch schon in dieser "Armen-Siedung". Von dort bekommen sie zunächst den Strom, der Schwager hat auch einiges am Handwerkszeug, das dringend benötigt wird, damit diese Bleibe wohnlich wird.

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Ich muss schon tief einatmen, um ruhig zu bleiben, denn auch dieses Haus ist eigentlich nicht bewohnbar. Nächste Woche aber schon, zieht diese Familie hier ein. Die Fenster sind nicht in Ordnung, ebenso wenig die Türen. Es gibt neben dem größeren Raum noch einen kleinen Nebenraum, mehr nicht. Nach oben hin ist es teilweise offen, es muss irgendwie dicht gemacht werden.

Eine Toilette und fließendes Wasser gibt es nicht.

Petra

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Der Vater ist voller Elan und erzählt uns, was er noch alles machen möchte: die kaputten Fenster und Türen müssen ersetzt werden, das Dach abgedichtet werden, eine Deckenverkleidung muss angebracht werden, bzw. die Isolierung. Ein Zaun muss gezogen werden und ein Klo braucht man ja auch.

Beide Elternteile haben Arbeit bei der Straßenreinigung, verdienen aber viel zu wenig. Die älteste Tochter muss auf die kleinen Geschwister aufpassen.

Die Familie möchte schnell einziehen, damit er dann vor Ort ist und nach und nach was machen kann.

Ja, so sieht es auch bei uns in Europa aus, wenn man mal einfach hinter die Kulissen schaut. Mir geht es schon sehr nahe. Wir bringen die beiden wieder zurück und fahren gleich weiter zur Metro, denn wir müssen für eine Familie einen Gasherd kaufen.

Danach gehen wir auf einen Sprung zu Bekannten, um dort kurz hallo zu sagen.